Die Videoreihe über selbstbewusste, inspirierende Frauen, die Marc Cain im Rahmen des Projektes „Mysterious Women“ porträtiert, wird mit Kathrine Switzer weitergeführt. Die Frauen haben alle unterschiedliche Ziele und einen unterschiedlichen Werdegang, aber eines gemeinsam: Sie wissen, was sie wollen und können, von Leidenschaft angetrieben, alles erreichen. Die Geschichte des Frauenmarathons ist untrennbar mit dem Namen Kathrine Switzer verbunden: Sie ist die erste Frau, die mit offizieller Startnummer einen Marathon lief und die Männerdomäne spektakulär aufbrach.
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Schon als Journalistik-Studentin war die US-Amerikanerin eine leidenschaftliche, begeisterte Läuferin. Als sie sich 1967 für den Boston-Marathon anmelden wollte, nahm ihr Trainer sie zunächst nicht ernst, außerdem wurde Frauen die offizielle Teilnahme an Marathons verwehrt. Äußerst bizarr mutet dabei der Grund an: Frauen könnte beim Laufen die Gebärmutter herausfallen. Als sie ihren Trainer schließlich durch ihr hartes Training vom Gegenteil überzeugen konnte, ging sie am 19. April mit der Nummer 261 unter dem Namen K. V. Switzer als Frau unter 740 Männern an den Start. Nach zwei Meilen wollte sie der Veranstalter rüde von der Strecke rempeln, was jedoch ihr mitlaufender Freund, ein 115 Kilo schwerer Ex-Footballspieler, mit einem Rempler seinerseits zu verhindern wusste. Ab diesem Moment wusste sie, dass sie den Marathon nicht nur für sich, sondern für alle Frauen dieser Welt beenden musste. Das Foto, das bei dieser Aktion entstand, ging um die Welt und revolutionierte nicht nur den Frauenmarathon, sondern den Frauensport insgesamt. Der Lauf löste eine politische Diskussion über Frauen im Marathon aus und veränderte auch das Leben von Kathrine Switzer von Grund auf.
Seit diesem richtungsweisenden Tag ist sie eine Verfechterin der Frauenrechte und setzt sich mit ihrer Organisation „261 fearless“, in Anlehnung an ihre inzwischen legendäre Startnummer, für Frauen ein, die aufgrund von Religion, Hautfarbe oder ethnischer Herkunft benachteiligt werden. Auch daran, dass der Frauenmarathon im Jahre 1984 in Los Angeles erstmals als Disziplin bei den Olympischen Spielen zugelassen wurde, hat sie einen großen Anteil: Sie konnte den bekannten Kosmetikriesen Avon davon überzeugen, eine von ihr ins Leben gerufene, weltweite Frauenlaufserie zu sponsern und so auf das Thema aufmerksam zu machen.
Kathrine Switzer hat bereits mehrere Bücher geschrieben und ist Kommentatorin für das US-Fernsehen. Sie bestritt bis jetzt zahlreiche Marathonläufe und gewann den prestigeträchtigen New York City Marathon. Die Fotos ihres 1967 Marathons sind unter den 100 Bildern, die die Welt verändert haben. Auch heute noch ist die energiegeladene Kathrine Switzer eine begeisterte Läuferin. Sie strahlt geballte Frauenpower aus und imponiert aufgrund ihrer Willensstärke, ihrer Furchtlosigkeit und ihres Durchhaltevermögens. Marc Cain traf sie am 19. September zum Interview in Berlin, wo sie mit inzwischen 71 Jahren am Berlin-Marathon teilnahm. Kathrine Switzer war und ist eine bemerkenswerte Frau, eben eine „Mysterious Woman“, die genau wusste, was sie wollte und ihr Ziel mit Bravour erreicht hat.